„Wenn wir die Möglichkeit für Olympia in 2032 haben, dann müssen wir das mit dem ÖPNV auch schaffen.“

17. November 2020  |  Aktuelles


Am 3. November fanden sich Vertreter*innen aus Wissenschaft, kommunaler Praxis und Zivilgesellschaft zusammen, um anlässlich der Abschlussveranstaltung des Projekts Neue EmscherMobilität (NEMO) die vorgestellten Ergebnisse und die Zukunft der Mobilität im Ruhrgebiet kritisch zu betrachten.

Unter dem Titel „Das Ruhrgebiet neu bewegen: Perspektiven und Szenarien für die Verkehrswende entlang der Emscher“ kam ein vielschichtiges Panel zusammen: Prof. Dr. Uli Paetzel (Emschergenossenschaft/Lippeverband) und Maria T. Wagener (Regionalverband Ruhr) als Vertreter*innen der Kommunalverbände diskutierten mit Prof. Dr. J. Alexander Schmidt (Universität Duisburg-Essen, Institut für Mobilitäts- und Stadtplanung, Projektleiter NEMO), Christina Kleinheins (Stadt Bottrop), Robert Nieberg (Verkehrsverband Rhein-Ruhr) und Manuel Konrad (Fridays for Future Essen) über Strategien, Umsetzung und politischen Willen für ein nachhaltiges, zukunftsfähiges und emissionsarmes Mobilitätsystem in der Region.

Der Blick der ca. 60 Teilnehmenden der Veranstaltung auf die Mobilität im Ruhrgebiet: Der Handlungsdruck wurde offentlichlich.

Mit kritischen Fragen lockte Moderator Kai Rüsberg die Diskutierenden aus ihren Silos. Ebenso wie im transdisziplinär angelegten Projekt NEMO ist auch in der Mobilitäts-Diskussion eine konstruktive Zusammenarbeit gefragt.

Die Corona-Pandemie hat die Frage nach einer neuen Mobilität wieder in die öffentliche Debatte katapultiert. Mit einem Blick auf die Ergebnisse des Projekts NEMO ging  in eine erste Fragerunde: Inwiefern könnte dieses neue Bewusstsein für das eigene Mobilitätsverhalten und die Veränderlichkeit von Verkehrsverhältnissen einem nachhaltigen Szenario zuspielen?

„Die Wissenschaft muss besser lernen, ihre Botschaft so zu erzählen, dass sie überall ankommt.“

Wenngleich manche Teilnehmer*innen sich optimistisch über eine Mobilitätswende in der Pandemie äußerten und das Beispiel der Pop-Up-Radwege einbrachten, die in vielen Städten zu Beginn der Pandemie errichtet wurden, so zeigte sich Christina Kleinheins in dem Punkt zurückhaltender: Das Wetter und die Gewohnheiten in der Stadtbevölkerung seien stärker als der kurzlebige Trend. Die Wissenschaft müsse besser lernen, ihre Botschaft so zu erzählen, dass sie überall ankomme. Es bestehe seit Jahren ein Konsens in der Wissenschaft, diese erfolgreich nach außen zu tragen, scheitere jedoch.


Klimaschutz ist nur ein Antrieb für die Verkehrswende in Städten. Für die meisten Teilnehmenden steht die Verteilung des öffentlichen Raums im Vordergrund.

Der kritische Aspekt der Implementierung fand im Verlauf der Debatte mehrmals Erwähnung, so auch in der Frage nach dem weiteren Vorgehen: Wie kann die Mobilitätswende nachhaltig und partizipativ gestaltet werden – und welche Vorlaufzeit braucht es hierfür? Eine positive Entwicklung im Ruhrgebiet sei hier die zunehmende Sichtbarkeit der bürgerschaftlichen Initiativen, die sich aktiv für bessere Radinfrastruktur einsetzen, beispielsweise mithilfe von Bürgerentscheiden – so wie im Fall des in Essen erfolgreichen Radentscheids.

„Wir können nicht immer nur ins Auto investieren.“

Obwohl im Laufe der Diskussion die Forderung nach einer unmittelbaren Verkehrswende mehrfach gestellt wurde, kamen auch nuancierte Beiträge zu Wort: Es brauche für den Streckenausbau des ÖPNV und SPNV – dem schienengebundenen Personennahverkehr – oft jahrelange Vorlaufzeiten, so Robert Nieberg. Doch in einer Metropole mit vergleichsweise langen Wegen seien auch die Kosten nicht zu scheuen. „Wir können nicht immer nur ins Auto investieren“, so Alexander Schmidt.


Digitale Zusammenkunft in Zeiten der Pandemie: Moderator Kai Rüsberg vor den Kameras in den Räumen der Stiftung Mercator.

Besonders deutlich trat auch die Frage hervor, wie eine regionale Verkehrswende politisch wirksam gesteuert und umgesetzt werden kann: Auf regionaler Ebene sei diese Governance unterentwickelt, es bräuchte dort stärkere und für die Kommunen des Ruhrgebiets verbindlichere Entscheidungs- und Steuerungsstrukturen.
Dem Aufruf der Fridays for Future Bewegung schlossen sich der Großteil der Diskutierenden an: Es müsse jetzt endlich etwas passieren. Auf Nachfrage des Moderators, wer denn nun konkret die Umsetzungsmacht habe, machte Maria Wagener vom RVR deutlich, dass bereits zahlreiche Konzepte gäbe, die konkret mit Kommunen diskutiert würden. Hierfür böten die NEMO-Handlungsvorschläge den Grundstoff für die Zukunft. Es läge jedoch auch an des Einzelnen, in seiner Alltagsmobilität nachhaltig zu handeln.


Welche fördernden Faktoren sind wichtig für die Verkehrswende im Ruhrgebiet: Der Fokus der Teilnehmenden liegt auf dem öffentlichen Verkehr und einer besseren Fahrrad-Infrastruktur.

Dieser Anstoß traf nicht bei allen Diskutierenden auf Zustimmung. So warf Uli Paetzel ein, die Verantwortung auf das Individuum zu schieben sei nicht zielführend. Es brauche klaren politischen Mut bei dem Thema, so Paetzel, der gleichzeitig den Bogen zur möglichen regionalen Bewerbung für die Olympischen Spiele 2032 und den damit einhergehenden Herausforderungen für das Mobilitätssystem schlug: „Wenn wir die Möglichkeit für Olympia in 2032 haben, dann müssen wir das mit dem ÖPNV auch schaffen.“

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Behind the scenes: Die digitale Abschlussveranstaltung des Projekts NEMO am 03.11.2020 in der Stiftung Mercator (Video: Kai Rüsberg)

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