Methoden

Modellieren, diskutieren, analysieren – neue Mobilität erforschen wir auf vielen Wegen…

Das NEMO (Neue EmscherMobilität) Projektteam vereint Kenntnisse und Erfahrungen aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen und Forschungsfeldern. Daraus resultiert eine breite Vielfalt von Methoden mit denen vor Ort untersucht wird, wie sich die Mobilität im Ruhrgebiet positiv entwickeln kann. Diese möchten wir Ihnen hier vorstellen.

Entwicklung von Szenarien

Wozu?

In den NEMO-Szenarien zeigt das Forschungsteam in Wort und Bild auf, wie nachhaltige Mobilität in der Emscherregion tatsächlich verwirklicht werden kann – und wie sich das auf das unmittelbare Umfeld auswirkt. Die Szenarien werden mit verschiedenen Zielgruppen diskutiert. Ihre Akzeptanz wird getestet. Aus diesen Gesprächen und Erhebungen werden Argumentationshilfen abgeleitet, um in Zivilgesellschaft, Politik und bei Expertinnen und Experten mehr Verständnis zu erzielen und eine nachhaltige planerische, soziale, ökonomische und politische Durchsetzbarkeit zu erleichtern. Letztlich werden die Szenarien auch hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit wissenschaftlich evaluiert, um politische Empfehlungen entwickeln zu können.

Wie?

Für die Entwicklung der Szenarien werden relevante Umweltfaktoren eingesetzt, die sich auf die Szenarien auswirken: Sie betreffen soziale (social), technologische (technological), wirtschaftliche (economic), ökologische (environmental) und politische (political) Faktoren (STEEP). Die Ergebnisse und ihre Trends werden mit Stakeholdern in Workshops diskutiert und bewertet. Anschließend werden sie mithilfe der Software IBM SPSS klassifiziert. Die daraus resultierenden Szenarien werden in Fokusgruppen auf die mögliche Akzeptanz getestet. Daraus ergibt sich ein Ranking, das durch eine Multi-Kriterien-Analyse (PROMETHEE) auch im Hinblick auf Nachhaltigkeit Aussagekraft gewinnt.

 

Sozialwissenschaftliche Untersuchung

Wozu?

Die Zukunft der Mobilität in einer Region wird maßgeblich von Entscheidungen lokaler Stakeholder sowie dem Verkehrsverhalten der Bürgerinnen und Bürger geprägt. Daher ist es für die Entwicklung nachhaltiger Verkehrskonzepte und Verhaltensmuster von entscheidender Bedeutung, strategische Orientierungen und Politikgrundsätze sowie Motive und Einstellungen vor Ort zu kennen. Genau darauf sind die sozialwissenschaftlichen Untersuchungen im Projekt NEMO ausgerichtet. Sie bilden damit einen wesentlichen Baustein für die Entwicklung von Szenarien für die Zukunft der Mobilität an der Emscher.

Wie?

Für die sozialwissenschaftlichen Untersuchungen im Projekt NEMO werden Stakeholder-Workshops und Fokusgruppen eingesetzt. Im Rahmen der Workshops werden Vertreterinnen und Vertreter von Organisationen und weitere Personen zu einem Diskussionsprozess zusammengebracht, die für ein bestimmtes Thema in der Region verantwortlich sind. Auf diese Weise erfassen wir den Wissensstand und die Interessen der Beteiligten, analysieren die aktuelle Situation sowie zukünftige Entwicklungen und erarbeiten Handlungsempfehlungen. Fokusgruppen sind moderierte Kleingruppendiskussionen mit Bürgerinnen und Bürgern. Hier erheben wir die Assoziationen, Denkmuster, Meinungen, Wahrnehmungen und Handlungsweisen von Anwohnerinnen und Anwohnern der Emscherregion. Fokusgruppen eignen sich besonders dafür, Aspekte der Alltagswelt – wie das Mobilitätsverhalten – zu erkunden.

 

Modellierung des Verkehrssystems

Wozu?

Die Modellierung des Verkehrssystems und der Einsatz computergestützter Simulationen ermöglicht es dem NEMO-Forschungsteam, zukünftiges Verkehrsverhalten vorherzusagen. Für künftige Stadtstrukturen, Verhaltensmuster und Verkehrsangebote lassen sich so die Leistungsfähigkeit des Verkehrssystems und Umweltwirkungen berechnen. Herausforderungen der Zukunft werden also schon heute sichtbar. Dies ermöglicht eine frühzeitige Entwicklung und Untersuchung passender Lösungskonzepte.

Wie?

Die Simulation des Zusammenspiels von Verkehrsangebot und -nachfrage in der Region Ruhr erfolgt mit Hilfe der Software MATSim. Die Verkehrsnachfrage wird dabei anhand individueller Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer, sogenannter Agenten, mit unterschiedlichen Verhaltensmustern und Präferenzen abgebildet. In einem ersten Schritt werden die Modelle auf Basis von Bevölkerungs- und Verkehrsstatistiken erstellt und kalibriert, so dass damit die Realität möglichst gut abgebildet wird. In einem zweiten Schritt kann das kalibrierte Verkehrsmodell dann für die Verkehrsprognose und Untersuchung der verschiedenen Szenarien und Maßnahmen eingesetzt werden.

 

Analyse der Stadtentwicklung

Wozu?

Im Rahmen von NEMO werden politische und räumliche Maßnahmen vorgeschlagen. Diese werden auf lokaler Ebene, im direkten Umfeld, unterschiedliche Impulse auslösen – rund um das individuelle Mobilitätsverhalten ebenso wie bei Entscheidungen über private Wohnorte oder betriebliche Standorte.

Dadurch werden wiederum auch großräumige Variablen beeinflusst. Durch die Modellierung der Stadtentwicklung können mögliche Trends und Wechselwirkungen innerhalb des urbanen Systems besser verstanden werden, sowohl rund um die Bevölkerungsstrukturen als auch bei Flächennutzung oder Sozioökonomie.

Wie?

Mobilität stellt ein eigenes System dar, das mit anderen – etwa ökonomischen, ökologischen und politischen – Systemen eng zusammenwirkt. Das NEMO-Team entwickelt so genannte „Comprehensive Spatial Models“, die wesentliche Faktoren urbaner Entwicklung, über die einzelnen Subsysteme hinaus, gleichzeitig berücksichtigt. Diese Modelle basieren auf den Prinzipien der Selbstorganisation in der Physik. Sie umfassen die räumlichen Maßstabsebenen von Region, Gesamtstadt und Quartier und geben Aufschluss darüber, wie Raum und Zeit in ihrer Dynamik von bestimmten Faktoren beeinflusst werden.

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